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El Hierro, die westlichste Insel der Kanaren (05.-16.11.2021)

El Hierro ist zwar die kleinste der Kanarischen Inseln, kann aber mit vielen Besonderheiten aufwarten. Es gibt hier keinen Massentourismus, Reisen ist recht beschaulich und Wandern auf vielen Wegen auch einsam. Obwohl der Malpaso als höchster Gipfel der Insel weitgehend mit dem Auto erreichbar ist führen auch recht anspruchsvolle Wege auf den Berg. Die Wahrzeichen der Insel sind einerseits die endemischen Phönizischen Wacholderbäume, die früher einen vollständigen Wald bildeten und teilweise ein paar hundert Jahre alt sind. Auch heute noch gibt es von diesen knorrigen Bäumen, die Wind und Sturm ausgesetzt sind, viele Exemplare. Zum zweiten gibt es die El Hierro-Rieseneidechse - die in freier Natur nur sehr schwer zu finden ist - in den Steilwänden von El Golfo und auf einsamen Felsinseln vor der Küste. Man hat aber die Möglichkeit diese eindrucksvollen Echsen, die eine Größe kleinerer Warane erreichen können, im Museumsdorf Guinea in Frontera, zu sehen.

die märchenlandschaft des monteverde

El Hierro hat ca. 11.000 Einwohner und etwa die Hälfte lebt im Hauptort Valverde. Touristengebiet Nr. 1 ist sicher Frontera im El Golfo Tal, im Nordwesten der Insel. Ausgelöst durch ein Erbeben entstand dieser riesige Halbkrater. Man schätzt die ursprüngliche Höhe vom Malpaso auf etwa 2.600m - heute ist er um gut 1.100m niedriger, der Rest ist ins Meer gestürzt. Die Insel ist allein schon aufgrund der Landschaftsformen ungewöhnlich. Die Küstengebiete sind recht trocken, hier findet man in erster Linie Wolfsmilchgewächse, Mittagsblumen und salzliebende Pflanzen. In der Zone von 200-400m sind es Kakteen, Agaven und Dickblattgewächse, sowie der Drachenbaum und die Kanarische Dattelpalme, die ins Auge stechen. Darüber im Nordosten eine große Hochfläche mit viel landwirtschaftlicher Nutzung, ebenso im Westen die sogenannte La Dehesa. Hier wachsen auch die berühmten Phönizischen Wacholderbäume. Im Zentrum der Insel befindet sich auf der Nordseite, bedingt durch die ständigen Passatwolken, ein fast undurchdringlicher Dschungel mit vielen Lorbeerbäumen, Baumheide, dem Gagelbaum, Edelkastanien, zahlreiche Farne und vieles mehr, während auf der Südseite der wohl schönste Kiefernwald der Kanaren zu finden ist. Wir wollen euch nun einige dieser Landschaften samt ihrer schönen Dörfer vorstellen. Begleitet uns auf Rundfahrten um die Insel und auf unseren Wanderungen. 

unsere Unterkunft auf El Hierro

In Tigaday, das ist ein Teil der Gemeinde von Frontera beziehen wir unser Appartement, das El Sitio. Wir werden uns hier im El Golfo recht wohl fühlen und per Mietwagen und auf einigen, teils recht alpinen Wanderungen, die schöne Insel erkunden.

der westen und der süden

Ausgehend von El Golfo wollen wir erstmal die Landschaften und Dörfer im äußersten Süden, d. h.  das Gebiet von El Julan,  La Dehesa und die Vulkanlandschaften besuchen. Wir fahren über das Zentrum der Insel nach La Restinga. Tags darauf auf einer sehr kurvigen und schmalen Bergstraße über die Cumbre westwärts und wieder zurück nach Frontera. 

Geplant war es erstmal ein wenig anders, doch der heftige Wind mit Sturmstärke am Mirador La Llania und die unerwartete Kälte auf gut 1.300m Seehöhe lässt uns erschaudern. Zudem haben wir aufgrund der Passatwolken kaum Sicht, da müssen wir was die  kanarische Wetterplanung betrifft noch einiges lernen. Wir ergreifen nach dem Kurztrip zum Aussichtspunkt gleich wieder die Flucht und beschließen in den sonnigen Süden zu fahren. Bevor wir hier die Gegend mit den Wanderschuhen unsicher machen sehen wir uns den Küstenort La Restinga genauer an und stellen sogleich fest - nach der Wanderung (separater Bericht folgt unter Wandern & Natur) geht´s ab ins Meer.

Am nächsten Tag wettermäßig das gleiche Bild, da überlegen wir nicht lange und fahren erneut hinter die Cumbre. Wir durchqueren die wunderschönen Pinienwälder und steuern El Julan an und zwar das Besucherzentrum von Los Letreros. Wir  wundern uns, dass wir die einzigen Besucher sind und machen uns wanderfertig. Ziel sind die Petroglyphen nahe dem Meer (uralte Felsritzungen) als uns eine Dame vom Zentrum darauf aufmerksam macht, dass dies Privatgrund ist und das Betreten absolut verboten. Schwer enttäuscht ziehen wir wieder ab und fahren an die Küste Richtung La Restinga (HI4). Diesmal biegen wir aber bereits vorher auf die HI410 ab. Das Kürzel HI steht übrigens für Hierro, so werden auf den Kanaren alle Straßen bezeichnet. Wandern steht für diesen Tag nicht mehr am Programm, dafür werden wir baden gehen und uns die Landschaften südlich und westlich der Cumbre ansehen.

Der Südwesten von El Hierro, genauer gesagt die meist steilen Hänge von der Küste bis zur Cumbre und der Hochebene La Dehesa zwischen Tacoron und dem Leuchtturm von Orchillo werden als El Julan bezeichnet. Auf dieser Strecke, die erst um die Jahrtausendwende asphaltiert wurde bin ich (als recht geübter Autofahrer) nicht unglücklich darüber, dass kaum jemand entgegen kommt. Landschaftlich ist es schlicht großartig. Die Gegend um El Sabinar, wo die berühmten Wacholderbäume wachsen und die zur La Dehesa gezählt wird, lassen wir rechts liegen. Diese sehen wir uns gesondert auf einer Wanderung an. Statt dessen machen wir einen sehr lohnenden Abstecher zum Faro de Orchilla und zur Bucht Muelle de Orchilla. Für ein Bad ist es zu stürmisch und auch schon zu spät. Wir genießen das traumhafte Abendlicht in dieser eigenartigen, von Orchillaflechten überzogenen Vulkanlandschaft. Diese Flechten sind insbesondere interessant, weil daraus ein sehr schöner violetter Farbstoff gewonnen wurde. Dieser war bis vor etwa 600 Jahren sehr begehrt, vor allem bei den Mächtigen und Reichen dieser Zeit. 

Da es bereits recht spät ist und wir nicht die ganze restliche Strecke im Stockdunkeln fahren wollen nehmen wir Abschied von dieser recht eigentümlichen Ecke. Unterwegs bestaunen wir den wunderschönen Sonnenuntergang über dem Atlantik.

Im Scheinwerferlicht zu später Stunde ist uns schon aufgefallen, dass die Westroute zwischen El Golfo und El Sabinar unglaublich spektakulär ist, nun wollen wir sie bei Tageslicht erkunden. Wir fahren zum Mirador de Lomo Negro, da kommen uns zur großen Überraschung einige Oldtimer entgegen, wie wir noch feststellen Teilnehmer einer speziellen Canarian Rally. Bei Ankunft am Mirador treffen wir noch auf ein Fahrzeug samt einem filmenden Begleitfahrzeug. Auf einer anderen Insel haben wir noch das Vergnügen wieder auf die Rallyfahrzeuge zu treffen, da sind unglaubliche Autos dabei.

Wir machen noch ein paar schnelle Fotos beim Mirador, ehe wir mit unserer Wanderung zu den Wacholderbäumen von El Sabinar beginnen, doch davon später in einem Beitrag unter Reisen & Natur.

Nach der Wanderung fahren wir hinab zu Küste und folgen der Piste zur Playa del Verodal, ehe wir auf der von Lavafeldern gespickten Strecke nach Frontera zurückkehren. Ein paar Eindrücke von diesem Sandstrand mit rotem Sand davon in Bildern. Schwimmen sollte man allerdings wegen der gefährlichen Unterströmungen hier nicht.

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Kommentare: 2
  • #1

    Dolores (Donnerstag, 03 Februar 2022 11:47)

    Danke, sehr informativ.. Man kann es sich gut vorstellen.. Wenn ich leider nicht selbst dort sein kann, ist dein reisebeitrag doch ein kleiner Einblick in die südliche Welt.

  • #2

    Peter Übleis (Donnerstag, 03 Februar 2022 21:33)

    Vielen Dank Dolores, freut uns sehr. Werden sukzessive weitere Berichte einstellen, wenn es die Zeit zulässt.