Von Tilos kommend erreichen wir abends die Vulkaninsel Nisyros. Es ist schon dunkel, daher sehen wir kaum was. Wir erhalten einige Informationen zur Insel und werden vom Vater unserer Zimmervermieterin zu unserer Unterkunft gebracht. Manos ist hier so etwas wie der Platzhirsch. Ein weiter Weg vom Hafen erst mit dem Auto, dann dürfen wir noch einige sehr steile Stufen unsere Trollies und Rucksäcke hochschleppen. Der Hauptort Mandraki besteht hauptsächlich aus engen, steilen Gassen - hier bleibt man fit, ob man will oder nicht.
Am Morgen gehen wir nur kurz ins "Zentrum" hinunter um die wichtigsten Sachen einzukaufen. Dann wollen wir eine Wanderung unternehmen. Wir folgen vom Apartment weg den Schildern Richtung Monastery, aber irgendwann kommt uns die Route komisch vor und drehen um. Die Blumen auf dem Weg entschädigen aber für den "Verhauer". Dann versuchen wir auf neuer Route unser Glück. Da diese aber lange nur einer Asphaltstraße folgt und es bald zu regnen anfängt drehen wir erneut frustriert um. Wie heißt es so schön, aller guten Dinge sind drei. Also runter zur Strandpromenade und dieser bis zum Hafen folgen und zum Büro von Manos Car. Gestern haben wir noch kleinlaut gemeint, 4 Tage Mietauto brauchen wir nicht. Nun müssen wir aber erkennen, selbst die meisten schönen Wanderstrecken sind ohne Fahrzeug nur sehr mühsam erreichbar und das miese Wetter tut sein Übriges dazu. Zudem erzählt uns die Vermieterin und Chefin der Autovermietung, dass gerade bei Regen der Vulkan besonders spannend ist, weil es überall raucht. Lassen wir uns überraschen.
Auf dem Weg zur Caldera machen wir noch einen Stop in Emborios, einem am Rand der Caldera gelegenen Bergdorf. Bedingt durch ein schweres Erdbeben 1933 wurden viele Häuser verlassen und verfallen zusehends, nicht wenige Bewohner sind damals abgewandert. Mittlerweile wird aber viel renoviert bzw. wieder instandgesetzt.
Das Dorf hat somit einen ganz eigenen Flair, jetzt in der Nebensaison wirkt es aber ziemlich ausgestorben. Am Ortsanfang befindet sich eine Natursauna (etwa 40grad), den Genuss lassen wir uns nicht entgehen. Nun aber Bilder vom Spaziergang durchs Dorf.
Jetzt aber auf zur Caldera mit seinen rund 10 Kratern. Der größte von ihnen, wenn auch nicht der spektakulärste ist der Stefanos Krater, uns am Besten gefällt uns der Doppel Krater des Polyvotis.
Die Caldera von Nisyros, eine beeindruckende Senke im Zentrum der Insel, entstand vor etwa 50.000 Jahren durch zwei gewaltige explosive Eruptionen. In der Geologie wird dieser Prozess als Einsturzcaldera bezeichnet, bei dem
sich die Magmakammer unter dem Vulkan durch massive Ausbrüche so weit leert, dass das darüber liegende Gestein mangels Stütze in die Tiefe sackt.
Die heute sichtbaren kleineren Krater am Boden der Caldera, wie der Stefanos Krater, entstanden durch hydrothermale Explosionen. Dabei erhitzte aufsteigendes Magma das Grundwasser so stark, dass der enorme Dampfdruck das Gestein sprengte. Die letzten größeren derartigen Ausbrüche ereigneten sich in den Jahren 1871 bis 1873, sowie 1887.
Nach der Erkundung des Stefano Kraters und eines weiteren recht spektakulären Kraters (dessen Namen wir nicht kennen) gehen wir jetzt auf dem Weg hinauf zum Doppelkrater des Polyvotis (Megalos und Mikros Polyvotis).
Den nächsten Schlechtwettertag haben wir somit ganz gut überstanden, nun freuen wir uns auf morgen, auch wenn die Wettervorhersage nichts Gutes verspricht.
Tag 2 auf Nisyros: Wir sehen uns das Paleokastro oberhalb von Mandraki an.
Die Burganlage ist eine der besterhaltenen Akropolen der griechischen Antike. Die zwischen dem 6. und 4. Jahrhundert vor Chr. errichtete Festung schützte die antike Stadt und beeindruckt mit teilweise 3,5m dicken Mauern aus schwarzem vulkanischen Gestein und ist weitgehend im Originalzustand erhalten. Zudem hat man von der großen Anlage einen schönen Blick auf Mandraki und die umliegenden Berge.
Wir fahren weiter ins Gebirge, genauer gesagt steuern wir die Caldera von der Südwestseite an, unser Hauptziel ist eine Natursauna im Süden der Insel. Vorweg, wir finden diese leider nicht. Erstaunlicherweise bleibt der Regen vorerst aus und wir gehen in sehr unwegsamen Gelände nahe dem Stefanos Krater weg Richtung Nikia den Berg hinauf. Da ich schlauerweise gestern auch noch meine Trekkingschuhe auf den Balkon gestellt hab und vergaß diese beim Regen rein zu holen darf ich heute mit meinen Barfußschuhen am Berg herum kraxeln.
Die Landschaft ist viel eindrucksvoller als erwartet. Es ist zwar sehr mühsam, aber allein der Ausblick auf die Caldera entschädigt für die Mühen. Wir gelangen auf eine Almlandschaft westlich von Nikia mit offensichtlich sehr alten und interessanten Gebäuden. Den Ziegen gefällt unser Erscheinen allerdings nicht sonderlich.
Eine Zeitlang sieht es ganz nach Regen aus, vorsichtshalber verziehen wir uns in eines der alten Steinhäuser, die wohl heute mehr als Unterschlupf für die Ziegen dienen. Der Regen bleibt aber aus und wir marschieren weiter. Wir kommen auf einem recht guten Weg rasch tiefer und entscheiden uns noch die Sauna zu suchen, leider vergeblich. Kaum sind wir wieder beim PKW fängt es auch schon an zu regnen und das sollte heute noch heftig ausfallen.
Tag 3 auf Nisyros, erstaunlicherweise soll das Wetter heute recht passabel sein. Wir haben geplant den Vulkan zu besteigen. Vorerst machen wir noch einen Spaziergang durchs Dorf, wie immer verbunden mit Bäcker, Fruchtladen und Supermarkt.
Auf zum Vulkan - los geht´s bei der Moni Evagelistrias, hier endet auch die Fahrstraße. Eine wunderschöne Wanderung bringt uns hinauf zur Panagia Diavatiani und noch weiter zur Kapelle Profitis Ilias. Der Gipfel selbst heißt Divatis. Wir steigen nun ein Stück auf der Ostseite ab um zur Caldera hinab zu blicken. Dabei scheuchen wir zahlreiche Chukarhühner auf. Noch bevor wir diese jemals sehen, fliegen sie auch schon eine Etage tiefer.
Wir steigen nun ein Stück auf der Ostseite ab um zur Caldera hinab zu blicken. Dabei scheuchen wir zahlreiche Chukarhühner auf. Noch bevor wir diese jemals sehen, fliegen sie auch schon eine Etage tiefer. Wir halten Rast an der Abbruchkante und bestaunen diese unglaubliche Landschaft. Dazu ein paar Nahaufnahmen. Später steigen wir ab zur Panagia Diavatiani, wo wir noch den Tiefblick zur Inselhauptstadt Mandraki genießen können. Ebenso vermag die Vegetation zurück zu unserem Ausgangspunkt zu begeistern.
Um nach Nikia, das zweite Dorf am Kraterrand, zu besuchen müssen wir erst wieder zurück nach Mandraki, dann nach Pali und kurz vor Emborios ab nach Nikia. Klingt kompliziert, ist es auch. Bevor wir Nikia erreichen biegen wir noch ab zum höchsten Straßenpunkt der Insel, hier steht eine kleine Kirche, wie sollte es anders sein - Profitis Ilias. Der Ausblick von hier ist absolut phänomenal. Auf der einen Seite blicken wir hinab in die Caldera und hinüber zum vorhin bestiegenen Divatis. Auf der anderen Seite das tiefblaue Meer, die Insel Tilos und vor uns, ein paar Stufen tiefer das Dorf Nikia mit seinen weißgekalkten Häusern. Wir können uns kaum satt sehen und entscheiden das Fahrzeug stehen zu lassen und zu Fuß Nikia zu besuchen.
In Nikia leben etwa 100 Menschen, dennoch hat man das Gefühl, dass das Dorf außerhalb der Saison fast ausgestorben ist. Wir schlendern durch die wenigen Gassen und beeilen uns wieder so schnell wie möglich die Treppe zur Kirche rauf zu kommen (warum - siehe letztes Foto)
Wieder in Mandraki, gehen wir erneut im schönen Dorf spazieren, alles haben wir noch nicht gesehen. Das Kloster Panagia Spiliani, das über dem Ort thront ist leider geschlossen, bietet aber einen schönen Panoramablick. Der Weg zum Hohlaki Beach wird teilweise aufgrund der hohen Wellen überspült, da heißts aufpassen.
Tag 4 auf Nisyros: Wetterbericht so la la. Heute erkunden wir den Norden und Osten, soweit möglich. Der erste Stop ist in Pali, viel gibt es hier nicht zu sehen, ein paar Häuser, eine schöne Kirche und eine Vielzahl an Mittagsblumen.
Wenig außerhalb von Pali befinden sich die alten Thermalbäder von Nisyros, die an die glänzende Vergangenheit der Insel erinnern. Die Einrichtung, die man heute sieht wurde um 1900 in drei Phasen erbaut, finanziert mit der Hilfe wohlhabender Inselbewohner und mit Hilfe der "nepetia" (Gemeinwohlpflichtarbeit der Einheimischen). Dann hatten sie drei Stationen, 300 Betten, ein Restaurant, Badewannen - also eine typische Badestadt, die früher Besucher aus dem Dodekanes, den Küsten Kleinasiens und Ägyptens besuchten. Die Bäder hatten eine therapeutische Wirkung auf arthritische Erkrankungen, Rheuma, Arteriosklerose usw.
In der Nähe befindet sich eine kleine Kirche, Panagia Thermiani, die auf den Überresten eines römischen Badekomplexes erbaut wurde. Historischen Berichten zufolge wurde hier vom berühmten antiken Arzt Hippokrates selbst eine Klinik gegründet, um die therapeutischen Vorteile der Therme zu nutzen.
Die Straße endet beim Lies Beach, bereits am Weg können wir interessante geologische Formationen betrachten.
Wir ziehen uns die Trekkingschuhe an und folgen dem überaus schmalen und teilweise ausgesetzten Küstenpfad bis zum Pachia Ammos Beach. Beide Strände sind wunderschön und einen Besuch wert, leider zeigt sich die Sonne anfangs nur ganz selten. Am Weg hierher haben wir einen Graben gesehen, den wir uns später noch ansehen wollen.
Auf in den Graben, es bleibt aber nicht beim Ansehen, wir kraxeln gleich hinauf, bis es haarig wird - Prädikat: bitte nicht nachahmen, das ist Klettern im schlimmen alpinen Brösel. Ist zwar spannend, aber wir sind dann doch froh wieder in normal gangbares Gelände zu kommen.
Jetzt können wir es so richtig genießen, die Sonne zeigt sich wieder öfter und wir finden wunderschöne Blumen, diesmal sind sogar Orchideen dabei - eine Seltenheit auf Nisyros.
Am Rückweg nach Mandraki machen wir noch Stop bei den geologischen Formationen und Bimssteinablagerungen beim Kap Katsouni. Das Gebiet zeigt erhebliche vulkanische Aktivität mit Ablagerungen aus der explosiven Aktivität des "Oberen Bimssteins" einschließlich dichter pyroklastischer Strömungen und Brekzie. Bei der Besichtigung entdecken wir dabei sogar eine (abgesperrte) Einsiedlerwohnung samt Bett, Küche...
Nisyros, 31.03.-03.04.2026






































































































































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Rixa (Freitag, 10 April 2026 17:57)
Für eine derartige Reise hätte ich früher mein vorletztes Hemd gegeben. Bin total begeistert. Vom Land, der Landschaft, Deinem Blick für Natur und Architektur. Ihr hüpft noch leichtfüßig durch´s Leben, wie schön, wenn beide am gleichen Strang ziehen, kommt ja auch nicht überall vor. Danke für´s Mitreisen. Werde mich nach und nach rückwärts "durcharbeiten". Liebe Grüße