Kos empfängt uns bei Ankunft der Fähre in Kos Stadt mit sintflutartigem Regen. Obwohl wir abgeholt werden sind wir im Nu klatschnass, Socken sind zum Auswinden, die Barfußschuhe zumindest einen Tag nicht mehr zu verwenden. Wir haben unseren Mietwagen beim Partner unserer Unterkunft gebucht und fahren gleich nach Mastichari, wo uns Sokratis bereits erwartet. Von ihm erhalten wir nun wertvolle Tipps für unseren Aufenthalt. Wir werden heute an diesem wettermäßig recht durchwachsenen Tag erst mal die Hauptstadt ansteuern.
Die Stadt gefällt uns auf Anhieb recht gut, es gibt einige Gebäude aus kolonialer Zeit, auch der türkische Einfluss ist unübersehbar. Als erstes sehen wir uns die wunderschöne Kirche Agias Paraskevi an. Was uns besonders gut gefällt ist die Markthalle am Eleftherias Square (Platz der Freiheit). Dies ist ein riesiger Verkaufsladen für viele Naturprodukte und wunderschöne Souvenirs. Kein Kitsch, wie sonst so häufig zu sehen.
Zum Abschluss unseres Aufenthaltes in Kos Stadt können wir noch bei der Kirche ein paar Impressionen von einer Taufe einfangen, wenn auch nur vor der Agia Paraskevi, dennoch recht interessant.
Auf Kos gibt es herrliche Blumenwiesen, hier ein paar Bilder dieser Pracht, besonders die Gladiolen begeistern uns.
Wir entscheiden uns trotz nicht gerade eitel Sonnenschein die heiße Quelle in Therminos zu besuchen. Umso erstaunter sind wir, dass uns am Weg zur Küste viele Leute entgegen kommen. Der Badeplatz am Meer dürfte sich schon ziemlich herum gesprochen haben. Wir finden zwar den Platz, aber von den heißen Quellen ist nichts zu sehen. Enttäuscht machen wir kehrt und fahren zurück in unser Quartier. Kein Fehler, es beginnt erneut zu regnen.
Tag 2, Sonne und Wolken. Einer Wanderung steht somit nichts mehr im Wege. Wir fahren nach Old Pyli, vom Parkplatz ist es nicht sehr weit zur Burgruine, wo wir einen schönen Rundblick haben. Beim Rückweg gehen wir zu einer der alten Kirchen von Old Pyli (leider versperrt - wie so oft), von dort zurück zum Parkplatz.
Wieder unten am Parkplatz wird´s erst so richtig spannend. Wir haben uns da eine Route zurecht gelegt, die fast nur von Ziegen begangen wird und nicht immer gleich erkennbar ist. Kein Wunder, dass wir anfangs ziemlich dämlich herumstolpern, ehe wir am rechten "Weg" durch die stachelige Phrygana sind. Eine Balkan-Springnatter ergreift sofort die Flucht als ich näher komme. Um noch einen schönen Blick auf die Ruine zu erhaschen folgen wir den Markierungen bergauf zum schönen Aussichtsgipfel.
Nun geht´s in westliche Richtung, vorbei an Almgelände mit sagenhaften Blumenwiesen und später sogar tollem Felsgelände zu einer Kirche namens Agios Georgios. Am Weg begegnen wir einigen Griechischen Landschildkröten.
Agios Georgios. Hier sehen wir etwas, was wir in dieser Art noch nie gesehen haben. Eine Ziegenherde kommt aus dem Tal und zieht in endloser Schlange den Berg hinauf. Wir haben die Tiere nicht gezählt, aber es waren Hunderte. Kein Schäfer, keine Hunde - die Ziegen folgen brav dem Leittier.
Wir machen uns auf den Rückweg, vorbei an beeindruckenden Höhlen. Dann müssen wir bei einer Alm eine "Umleitung" gehen - notwendig aufgrund von Zäunen. In der Folge verpassen wir irgendwo die richtige Route und gehen auf schmalen Ziegenpfaden weiter. Oft durch stacheliges Phrygana Gebüsch und über unzählige Stolpersteine. Wir nähern uns den Vorgipfeln des Dikeos und haben einen schönen Blick auf die Südküste der Insel. Hier haben wir auch das Schlimmste überstanden und wir können einem ganz passablen Weg bis zu unserem Ausgangspunkt folgen. Resümee: Blumen, Blumen, Blumen, tolle Landschaften und gezählte 17 Landschildkröten. Heute sind wir richtig geschafft.
Tag3: Eine Inselrundfahrt mit dem Mietwagen steht am Programm, Ziel ist der Westen mit Antimachia, Kefalos und Plaka. Als erstes geht´s zum Castle of Antimachia. Ein beeinadruckendes Bauwerk, aber nur solange man davorsteht. Kaum im Inneren, gibt´s wenig zu sehen. Zwei Kirchen, Zisternen und die Ruinen der alten Siedlung Antimachia, die bereits 1840 aufgegeben wurde. Die Burg wurde im Spätmittelalter vom Johanniterorden erbaut. 1457 haben die Osmanen die Burg angegriffen - sie kamen mit 156 Schiffen und 16.000 Streitkräften. Verteidigt wurde die Burg von 15 Rittern und 300 Menschen, die großteils unbewaffnet waren. Nach 23 Tagen Belagerung und dem Verlust von 1000 Mann sind die Osmanen abgezogen. Auf Seiten der Verteidiger wurden 15 Mann getötet.
Nachdem wir das Gelände innerhalb der Burg abgegangen sind gehen wir noch außerhalb auf Orchideensuche. Dies ist in der dornigen Phrygana kein Vergnügen, zudem sind die meisten Orchideen verblüht, wir finden zumindest eine schöne Heldreichs Ragwurz.
Bei der Fahrt zurück nach Antimachia bewundern wir die blumenreiche Landschaft, machen einen kurzen Stop bei einer Windmühle, ehe wir nach Kampos zum Agios Stefanos Beach weiterfahren. Der Strand ist bekannt für seinen Fotospot mit der vorgelagerten kleinen Insel Kastri. Von der frühchristlichen Kirche ist nur eine Ruine übrig. Mehr begeistern als die paar Steine können uns aber die zahlreichen Hardun, die sich in den Mauern so richtig wohlfühlen.
Anschließend machen wir Halt in Kafalos, auch hier befindet sich eine schöne Windmühle. Leider wieder verschlossen. So müssen wir uns mit dem Panoramablick hinab zum Meer und der Insel Kastri begnügen.
Eingebettet in die ruhige Landschaft von Kos ist die Heilige orthodoxe Kapelle des Heiligen Johannes des Täufers von Thymian ein faszinierender Ort in schöner Landschaft. Diese charmante Kapelle wurde aus antiken Materialien erbaut und verfügt über exquisite Fresken aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Es liegt ungefähr 7 km südlich des Dorfes Kefalos und liegt unter einer majestätischen Platane, die zu seiner bezaubernden Atmosphäre beiträgt. Leider wieder geschlossen.
Bei der langen Fahrt retour machen wir noch einen kurzen Spaziergang und fahren zum Agios Theologos Beach. Der Strand selbst vermag uns nicht zu begeistern, sehr schön hier wieder die Flora. Leider ist dieser Strand einer der wenigen, der ohne Allrad einfach erreichbar ist. Wir haben keine Lust ewig weit auf Schotterpisten zu hatschen um die Traumstrände zu erreichen. Möglicherweise würden wir es anders sehen wenn es warm wäre um zu baden.
Die Küstenflora ist einige Aufnahmen wert, ehe wir nach Kefalos zurück kehren. Unser nächstes Ziel ist Plaka.
Nun geht´s endgültig zurück nach Mastichari. Wir entscheiden noch im Plaka Wald vorbei zu schauen. Im Pinienwald empfangen uns unzählige Pfauen, manche sogar Räder schlagend. Mittendrin im Gewusel sind zahlreiche Katzen, die offenbar ganz friedlich miteinander umgehen. Obwohl wir auf Rhodos schon viele Pfauen beobachtet haben ist es dennoch ein tolles Erlebnis.
Eigentlich wollten wir jetzt in unser Quartier zurück fahren, aber kaum haben wir den Plakawald verlassen entdeckt Ursula bereits vom Auto aus eine Orchidee am Wegrand. Also nichts wie los und Orchideensuche im Trockenrasen.
Tag 4: Top Wetter, wir sind bereit für den Dikeios, dem höchsten Gipfel der Insel Kos. Der Ausgangspunkt unserer Tour ist im Bergdorf Zia. Anfangs geht´s vom Parkplatz über eine Stiege, dann folgen wir eine Zeitlang einem Forstweg durch den Pinienwald, wo das Anatolische Knabenkraut blüht und wo sich auf einer Lichtung einige Östliche Osterluzeifalter ein Stelldichein geben. Das erste mal, dass ich diesen Schmetterling fotografieren konnte.
Es wird steiler, noch führt die Route durch den Wald. Zeitweise weht ein unangenehmer, kalter Wind. Wir durchqueren eine Zone, wo wieder die Schildkröten auftauchen. Nach einem Vorgipfel und kurzer Senke erreichen wir bald den Gipfel samt Gipfelkapelle, Fahnen, Kreuz und einer etwas desolaten Biwakhütte. Ein Traum ist die Aussicht in verschiedene Richtungen. Auch ist es heroben windgeschützt, sodaß wir es auch genießen können.
Während wir beim Aufstieg dem Normalweg gefolgt sind steigen wir nun über den Grat ab, soweit dieser gangbar ist. Dabei haben wir schöne Ausblicke in die einsame Südseite der Insel. Auch beim Abstieg sehen wir noch einige Landschildkröten, u. a. auch zwei richtige Babies. Nachdem ich den Chukarhühnern wochenlang immer nur nachgeschaut hab gelingt mir ausnahmsweise ein Foto dieser extrem scheuen Vögel, wenn auch nur von hinten.
Wir fahren weiter zum Asklepieion, einer antiken Wirkungsstätte des berühmten Arztes Hippokrates. Die erhaltenen Ruinen aus hellenistischer Zeit stammen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Was ist ein Asklepieon eigentlich? Es ist ein antikes griechisches Heiligtum, das dem Gott der Heilkunst, Asklepios, geweiht war und als frühe Form von Sanatorien oder Kurorten diente. Diese Orte kombinierten religiöse Rituale, Priesterheilkunde und erste medizinische Anwendungen, oft an Orten mit heilenden Quellen gelegen. Sie waren mehr als Krankenhäuser, die Körper und Geist durch Bäder, Diäten, Spaziergänge und Tempelschlaf heilten.
Die Ausgrabungsstätte ist nicht nur geschichtlich interessant, sondern auch ein Naturparadies. Viele Orchideen sind zwar schon verblüht, wenn man aber genau schaut findet man noch einige Schätze.
Seit Tagen am Plan ist der Besuch des Alikis Salzsees. Wir haben aufgrund der vielen Regenfälle zu Beginn dies immer wieder verschoben, da alles überflutet war. Nun wagen wir es und wir fahren zum Flamingo Beach, Unser Hauptziel wären die Flamingos. Wir sehen zwar welche, aber einerseits weit weniger als erhofft, andererseits auch viel zu weit weg für ordentliche Fotos. Der Spaziergang zum See ist trotzdem ein voller Erfolg. Kaum aus dem Auto ausgestiegen finden wir auch schon die ersten Zungenstendel, später auch noch jede Menge Lockerblütiges Knabenkraut und interessante salzliebende Küstenpflanzen. Bei der Heimfahrt auch noch eine Gruppe Brauner Sichler.
Tag 5: Wir wollen noch eine nahegelegene Kapelle besuchen, hier soll es angeblich Orchideen geben - leider ist alles verblüht. Dafür überquert eine interessante Schmetterlingsraupe den Feldweg. Dann fahren wir weiter in Richtung Castle of Antimachia. Unterwegs sehen wir eine alte Windmühle, umgeben von tollen Blumenwiesen.
Von der alten Burganlage gehen wir auf einer nicht mehr befahrbaren Piste talwärts zu Olivenhainen und einer (versperrten) Kirche. Wir gehen weiter mit Ziel Kardamaina. Am Weg blühen unzählige Glockenblumen.
Auf maps.me sehen wir eine Möglichkeit eine schöne Runde zu gehen. Doch statt bis zum Ort abzusteigen haben wir die tolle Idee etwas abzukürzen, was uns in fast ungangbares Gelände in der stacheligen Zwergstrauchheide bringt. Zudem verbellt uns eine ganze Horde großer Hunde, zum Glück hinter einem Zaun. Schließlich kommen wir doch zu einem sehr guten, gepflasterten Weg, der uns wieder zurück zum Castle bringt. So endet unser Abenteuer Kos.
Auf diesem Weg dürfen wir uns auch bei unserem Zimmer- und Autovermieter bedanken, der uns stets geholfen hat und uns nicht nur vom Hafen abholen hat lassen. Er fährt uns nach dem wirklich außergewöhnlichen und sehr guten Frühstück noch zum Hafen, wo wir sofort ein Boot nach Kalymnos besteigen können. Als Abschluss noch eine Bildserie schöner Blumen von Kos.
Kos, 04.-08.04.2026




































































































































































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